Förderung in der Schuleingangsphase (Auszüge)

Um alle Kindern einen erfolgreichen Start ins Schulleben zu ermöglichen, beginnt unsere Förderung bereits vor Schulbeginn (s. Kooperation mit den Kitas) und setzt sich in den ersten beiden Schuljahren fort:

Sozialpädagogische Arbeit

Lern- und Förderdiagnostik

„Wer das erste Knopfloch verfehlt,

kommt mit dem Zuknöpfen nicht zurecht.“ Goethe

Aufbauend auf den Daten der Schulanmeldung, des Schuleingangsparcours, der Beobachtung im Rahmen des Besuchstags für künftige Schulneulinge in den ersten und zweiten Klassen, den Informationen der Kitas, den Besuchen in den Kitas sowie den Elterngesprächen wird eine Förderdiagnostik erstellt. Dazu ist die enge Zusammenarbeit mit der jeweiligen Klassenlehrkraft unumgänglich. Um die individuelle Lernausgangslage des Kindes zu ermitteln, werden in Absprache zu den Beobachtungen und Tests der Lehrkräfte weitere Beobachtungen durch die Sozialpädagogin, die zeitweise in der Eingangsklasse mitarbeitet, dokumentiert. Außerdem führt die Sozialpädagogin mit den auffällig erscheinenden Kindern den Diagnoseparcours nach Annette Ostermann (Lernvoraussetzungen von Schulanfängern – Beobachtungsstationen und Förderung) durch.

Förderschwerpunkte

In Verbindung mit den Lernstandserhebungen der Lehrkräfte und des o. g. Parcours werden die Förderpläne (s. Beispiel im Anhang) erstellt. Die Förderschwerpunkte sind je nach Defizit des Kindes folgende:

- Förderung der Eigen- und Fremdwahrnehmung unter Berücksichtigung aller Sinne; u. a. auch durch basale Förderung, durch Training der sensomotorischen Fähigkeiten, durch Motopädagogik, Psychomotorik und Entspannungsübungen

- Förderung von Grob- und Feinmotorik

- Förderung der emotionalen und sozialen Kompetenz sowie Konfliktfähigkeit

- Förderung von Konzentration, Ausdauer, Beobachtungs- und Merkfähigkeit u. a. auch durch Gestaltung kreativer Spielsituationen

- Förderung im mathematischen Bereich und des logischen Denkens

- Förderung von Kommunikation und Sprache (vgl. Individuelle Förderung, Lernstudio, Handlungsrahmen des § 4 AO GS, Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW 2006)

- Förderung von Motivation und positiver Selbstwahrnehmung

Die Förderung wird anhand verschiedener pädagogischer Konzepte umgesetzt. Das Eingangsstufenteam trifft sich regelmäßig einmal in der Woche, um gemeinsam über die Arbeit zu beraten und zu planen.

Pädagogische Umsetzung

Die Arbeit der Sozialpädagogin an unserer Schule findet (wie vorab beschrieben) in enger Zusammenarbeit mit den übrigen Lehrkräften aber auch mit Eltern und außerschulischen Institutionen statt. In der Regel arbeitet die Sozialpädagogin in der 1. bis 4. Unterrichtsstunde mit Kindern in Einzel- und Kleingruppenförderung. Diese Förderung - außerhalb des Klassenverbandes im Förderraum - ist neben allen Unterrichtsmaßnahmen wichtig, um unterstützend auf individuelle Bedürfnisse, Verhaltsauffälligkeiten, Schwächen und Stärken der Kinder einzugehen. Es werden Spiel-, Bewegungs- und Entspannungsphasen in ein ganzheitliches Förderbasis - Konzept integriert.

Bei Bedarf begleitet die Sozialpädagogin jedoch auch die betreffende Lehrkraft im Unterricht. Ihr Schwerpunkt liegt dann in der Unterstützung von Kindern mit Förderbedarf oder Entwicklungsrückständen.

Wenn man bedenkt, dass das Lernen beim Kleinkind über das „Begreifen“ (Tasten, Fühlen, Schmecken, Riechen usw.) geht, weiß man, dass man bei Kindern mit Entwicklungs- und Lerndefiziten die Uhr zurückdrehen muss. D. h. Sinnesschulung, Körperwahrnehmung, Bewegungsförderung etc. sind besonders wichtig. Zu Beginn des Schuljahres haben sich bei der Förderung im Förderraum besonders bewährt:

Eine „Taststraße“ für Hände und Füße, Riech- und Klangübungen, Motorikmaterial wie Rollbretter, Trampolin, Motorikkreisel, -schleifen etc. Stationsangebote mit Material für Fein- und Grobmotorikübungen wie z. B. Pinzetten für Greifübungen (Erbsen) usw., Puppentheater für Handpuppenspiele zum sozialen Lernen, eine Puppenecke für Rollenspiele sowie eine Bauecke.

Ebenfalls eingesetzt werden die Arbeitsmappe „Marburger Konzentrationstraining für Schulkinder“, die „Bergedorfer Unterrichtsideen: Lernvoraussetzungen für den Anfangsunterricht in Mathematik, Bd. 1 Pränumerischer Bereich, Bd. 2 Numerischer Bereich“, das „Würzburger Sprachtrainingsprogramm“, „Alle Schreiben“ (Graphomotorikübungen), Formen, Spuren, Spiegelbilder – neue Übungen zur visuellen Wahrnehmung und Visuomotorik u. a. 

Wichtig: Der Erfolg der sozialpädagogischen Arbeit ist nur dann gewährleistet, wenn Lehrkraft, Sozialpädagogin und Eltern zusammenarbeiten. Gegenseitige Ab- und Aussprachen sind die wichtigsten Voraussetzungen für den schulischen Erfolg der Kinder. Das Förderkonzept muss durch die Beteiligten immer wieder evaluiert werden.

Maßnahmen vor der Einschulung

Seit vielen Jahren besteht in der Gemeinde Erndtebrück ein Arbeitskreis der Grundschule mit den fünf Kindertagesstätten Erndtebrücks. Schulleitung, Lehrerinnen und Sozialpädagogin der Grundschule treffen sich hier regelmäßig im April und im Oktober mit den Erzieherinnen zu Arbeitsgesprächen.

Die Grundschule veranstaltet seit Jahren den Informationsabend für die Eltern der vierjährigen Kinder in den Räumen der Grundschule. Es werden zudem die Sprachstandserhebungen der Vierjährigen durch die Lehrerinnen und die Sozialpädagogin in den Kitas durchgeführt. Bei der Anmeldung der schulpflichtigen Kinder im Oktober/November werden weiterhin Beobachtungen die Sprache betreffend sowie die allgemeine Entwicklung des Kindes durch die Schulleitung getätigt. Daraufhin wird im November die Einschulungsdiagnostik anhand des „Igel – Parcours“ von den Lehrkräften und der Sozialpädagogin unserer Grundschule durchgeführt. Für Kinder mit Förderbedarf finden im Anschluss an die Auswertung des Parcours in den Kitas Gespräche zu den Ergebnissen zwischen den Eltern, den Erzieherinnen, den Lehrerinnen und der Sozialpädagogin statt. Hierbei werden die Stärken und Schwächen der einzelnen Kinder besprochen. Es werden gezielte Hinweise für eine Förderung gegeben. 

Nach der schulärztlichen Untersuchung finden Gespräche zwischen Schulärztin und Schulleitung statt, in denen die Ärztin auf eventuelle Auffälligkeiten der von ihr untersuchten Kinder hinweist. Zum Wohle des Kindes werden eventuelle krankheits- bzw. entwicklungsbedingte Beeinträchtigungen (z. B. Allergie, Übergewicht, usw.) an das künftige Eingangsstufenteam weitergegeben.

Vor der Einschulung besuchen die Lehrerinnen der künftigen Schulanfänger diese in deren Einrichtungen. Die neuen Schulanfänger machen vor den Sommerferien einen Gegenbesuch in einer ersten oder zweiten Klasse der Grundschule Erndtebrück. Ein Elternabend für die Schulanfänger findet seit Jahren immer am letzten Donnerstag vor den Sommerferien in der Schule statt.

Ausstattung der Klassenräume

In den Klassenräumen werden verschiedene Bereiche eingerichtet, um den Kindern die Möglichkeit zu geben, ihren individuellen Bedürfnissen entsprechend zu lernen. Hierzu zählen in Abhängigkeit von den unterschiedlichen räumlichen Voraussetzungen in den jeweiligen Klassenzimmern: Leseecke, Sitzkreis, Computerecke, Spielecke, Regale mit frei zugänglichen Arbeitsmaterialien, Kleingruppenräume, etc.  Weil an unserer Schule eine stundenweise Doppelbesetzung in den Eingangsklassen nur vereinzelt möglich ist, ist zur ausreichenden Förderung der Kinder dringend die zusätzliche Unterstützung der Sozialpädagogin im Unterricht und im Förderraum nötig.

Arbeitsmittel und Unterrichtsmaterialien im Anfangsunterricht müssen bestimmten Anforderungen gerecht werden.

1.    Sie sollen dem Kind Lerninhalte verständlich und zugänglich machen.

2.    Sie sollen so gestaltet sein, dass sie dem Kind vielfältige Erfahrungen seiner Sinne ermöglichen (tasten, sehen, hören, etc.).

3.    Sie sollen intellektuelle Anreize schaffen, die zu körperlicher und geistiger Aktivität führen.

4.    Sie sollen ästhetisch gestaltet sein, so dass das Kind gerne damit arbeitet.

5.    Das Material sollte einfach zu handhaben sein und eine gute Haltbarkeit besitzen.

6.    Das Material sollte auf unterschiedlichem Schwierigkeitsniveau bearbeitet werden können.

7.    Das Material sollte eine selbstständige Ergebniskontrolle ermöglichen.

In Zusammenarbeit mit allen Kolleginnen der Eingangsphase und der Sozialpädagogin wurde in den letzten Jahren eine breite Palette von Arbeitsmaterialien zusammengestellt, die durch die praktischen Erfahrungen im Unterricht ständig evaluiert wird.

Mathematik:

-       Materialien zum Zählen (Knöpfe, Muggelsteine, Rechenplättchen, u.v.m.)

-       Würfel und Spielfiguren

-       Holzstäbe und –blöcke

-       Rechendominos, Rechenpuzzles

-       Spielgeld

-       Sandpapier-Ziffern

-       Holzziffern

-       Ziffernkarten zum Nachsticken

-       Klammerkarten

-       Mathematik-Kartei

-       Schütteldosen zur Zahlzerlegung

-       Geobretter

-       Hunderterbrett

-       Rechenmaschinen

-       Bauklötze

-       Spiegel-Kartei

-       Tangram

-       Maßbänder

-       Spieluhren und Arbeitskarten usw.

Gesamtunterricht:

-       Anlautspiele

-       Buchstabenmemory, Buchstabendomino

-       Buchstabenpuzzles

-       Sandpapier-Buchstaben

-       Holzbuchstaben

-       Stempelkasten

-       Magnetbuchstaben

-       Wörter in der Streichholzschachtel

-       Erzählbilder

-       Bildergeschichtenkartei

-       Kinderbücher, Wissensbücher

-       Weitererzählgeschichten

-       Lautgetreue „Lesebücher“ mit Selbstkontrolle

-       Lese-Mal-Blätter und –Geschichten

-       Leseüberraschungen

-       „Lies-dich-schlau“-Kartei

-       Witz- und Rätselkarteien

-       ABC-Rätsel, Buchstabenrätsel

-       Kreuzworträtsel

-       Dosendiktate

-       Wörterbücher

-       Silbendominos und –memories

-       Klammerkarten

-       Tageskalender

Wahrnehmungsschulung:

-       Erbsen- und Wassertransport

-       Riechdosen

-       Fühl-Memory

-       Hör-Memory

-       Tast-Säckchen

-       Mandalas

-       Massage-Igel

-       Arbeitskarten zur visuellen und auditiven Wahrnehmung u.a.

-       Motorikspiele

Einbeziehen der Eltern

In unserer Schule werden Eltern in den verschiedensten Bereichen in den Unterricht bzw. das Schulleben einbezogen.

 -      Leseeltern

-      Mütter, die zwei Mal wöchentlich die Schülerbücherei betreuen

-      Eltern, die den Unterricht am Computer unterstützen

-      Unterstützung von Polizei und Lehrkräften durch Eltern bei der Durchführung der Radfahrausbildung.

-      Mitarbeit der Eltern bei bestimmten Projekten (Backen, Kochen, Klassenfeiern)

-      Besuche der Eltern im Unterricht

-      Eltern, die die Telefonketten führen

Damit leisten Eltern einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Kinder in den unterschiedlichs-ten Bereichen.

Außerdem finden regelmäßige Kontakte zu allen Eltern statt. Sie dienen dem Austausch von Informationen und der Beratung. Eltern erhalten auf diese Weise einen Einblick in die Schule und Verständnis für die schulische Arbeit. Den Kindern wird eine zusätzliche Unterstützung geboten.

Fördermaßnahmen im Unterricht der Eingangsphase

Fächerübergreifender Unterricht

In der Schuleingangsphase findet ein fächerübergreifender Deutsch- und Sachunterricht statt, der sich an übergeordneten Themen orientiert und auch Verbindungen zu den anderen Fächern der Stundentafel herstellt. Am Beispiel des Themas „Herbst“ soll aufgezeigt werden, wie die Kinder individuell aus den Lernangeboten auswählen können. Die Lernangebote sprechen folgende Bereiche an: Motorik, Wahrnehmungsschulung, Erlesen von Wörtern und einfachen Texten, Arbeiten mit Anlauten und Anlauttabelle, Wort- Bildzuordnungen, Sinn entnehmendes Lesen, Gedächtnis- und Konzentrationstraining, Angebote zum freien Schreiben, Rechtschreibübungen, Übungen zur Entwicklung des Sprachbewusstseins. Inhaltlich sprechen die Arbeitsangebote Themen aus dem Deutsch- und dem Sachunterricht an. Hierzu gehören Herbstgedichte, Herbstgeschichten, Sachtexte zum Thema Herbst, Bäume und ihre Früchte, Tiere im Herbst, Obst und Gemüse u.a.

Alle Lernangebote sind so konzipiert, dass sie unterschiedliche Schwierigkeitsgrade ausweisen und die Kinder ihrer individuellen Entwicklung entsprechend daraus auswählen können. Auch das Erlernen und Einüben neuer Buchstaben wird in das Konzept des Gesamtunterrichts integriert. Unterstützend kommen hier sich immer wiederholende Übungsformen (Buchstaben schreiben, akustische und optische Differenzierung, Buchstaben ausschneiden, zu Buchstaben schreiben und malen, Buchstaben in den Sand schreiben, u. a.) hinzu. Für das Erlernen von Rechtschreib- und Grammatikphänomenen im Unterricht des zweiten Schulbesuchsjahres in der Schuleingangsphase gilt dies ebenso. Da bei dieser sehr offenen Form des Unterrichts ein hoher Anspruch an selbstständige Arbeit und soziale Kompetenz der Kinder gestellt wird, ist es von außerordentlicher Bedeutung, die Unterstützung einzelner Schüler durch eine Sozialpädagogin während des Unterrichts zu gewährleisten. Damit sich die Kinder aus den Eingangsklassen näher kennen lernen, ermöglichen die Lehrkräfte ein regelmäßiges Zusammentreffen der Kinder. Hier werden z.B. Bastelarbeiten, Klangspiele, Filme, Gesellschaftsspiele und Vorlesegeschichten angeboten.

 

Diagnostische Instrumente

Zur Feststellung der Lernausgangssituation können an der Grundschule Erndtebrück je nach Lerngruppe folgende diagnostische Instrumente herangezogen werden:

Ø Eingangstest: Arithmetische Vorkenntnisse von Schulanfängern (Zahlenwerkstatt, Schroedel Verlag)

Ø Tests zur visuellen Differenzierung (Tinto: Handreichungen für den Unterricht, Cornelsen Verlag, KV 99 – 101))

Ø Muster nachzeichnen (Zahlenwerkstatt, Diagnoseaufgaben Mathematik: Basisfähigkeiten,  Schroedel Verlag

Ø Aufgabenstellungen zur Überprüfung der visuellen Wahrnehmung:    Ein verrückter Bauernhof – Wahrnehmungsschulung S. 14     (Zahlenwerkstatt Materialien 1, Schroedel Verlag)

Ø Test „Auditive Analyse (Bilder mit demselben Anlaut wie das eingerahmte Bild verbinden) (Tinto: Handreichungen für den Unterricht, Cornelsen Verlag, KV 104)

Ø Gezielte Beobachtungen von Arbeits-, Sozial- und Lernverhalten, Motorik

Ø Überprüfung der Rechtschreibkompetenz mit dem 9-Wörter-Diktat (etwa viermal im Jahr), zu einem vorgegebenen Bild wird das vorgegebene Wort aufgeschrieben (Zusatzmaterialien zur Regenbogen Lesekiste, VPM Verlag,)

Ø Bildworttest (Sommer-Stumpenhorst)

Ø Überprüfung der Rechtschreibkompetenz an frei geschriebenen Wörtern und Texten

Ø Lernzielkontrollen

Ø Ostermann, Annette: Lernvoraussetzungen von Schulanfängern, Beobachtungsstationen zur Diagnose und Förderung

Ø Stolperwörterlesetest

Ø Teile der Lernstanddiagnose aus dem Oldenbourg-Verlag

 

 

 

 

Textfeld: Grundschule Erndtebrück

-Offene Ganztagsschule-